Kennst du diesen Moment, wenn der Groschen fällt und sich plötzlich alles verändert?
Lange Zeit habe ich KI wie einen schnellen Praktikanten behandelt: Kurzen Befehl reinwerfen, auf ein gutes Ergebnis hoffen.
Oft bekam ich soliden Durchschnitt. Manchmal war ich enttäuscht.
Dann habe ich eine einzige Sache in meinem Prozess umgedreht und plötzlich waren die Ergebnisse nicht mehr wiederzuerkennen.
Es beginnt mit einer Beobachtung, die ich fast täglich mache:
Zwei Menschen nutzen dasselbe KI-Modell.
Der eine bekommt präzise, brillante Ergebnisse. Der andere bekommt, nun ja, irgendetwas zwischen einem mittelmäßigen Schulaufsatz und generischem PowerPoint-Text.
Ich sehe das ständig.
Wir starten fast immer mit dem Wunsch:
„Fass mir diesen Artikel zusammen.“
„Schreib mir einen LinkedIn-Post zu diesem Thema.“
Wir werfen der KI unseren Wunsch hin und hoffen auf das Beste.
Das Ergebnis ist meistens der statistische Durchschnitt. Wahrscheinlich, aber langweilig.
Es gibt einen Weg, das sofort zu ändern.
Ich nenne es: Reverse Prompting.
Das Prinzip: Erst die Maßstäbe, dann die Ausführung.
Beim Reverse Prompting nutzen wir die KI in der ersten Sekunde nicht als Texter, sondern als externen Qualitätsprüfer.
Lass uns das an einem aktuellen Beispiel aus der Medienbranche durchspielen.
Das Praxis-Beispiel: Der Bassermann-Artikel
Stell dir vor, du willst den aktuellen, viel diskutierten Ansatz von Andrea Bassermann (Horizont Artikel: „Entscheidungen statt Touchpoints“) für dein Team nutzen.
Kurz zum Horizont-Artikel Inhalt: Bassermann empfiehlt darin eine radikale Fokus-Verschiebung. Weg von reiner Sichtbarkeit („Touchpoints“) und „Lärm“, hin zu Inhalten, die aktiv die Unsicherheit des Kunden im entscheidenden Moment auflösen. Budgets sollten also dort investiert werden, wo Entscheidungen fallen, nicht nur dort, wo Aufmerksamkeit entsteht. (Link zum Horizont-Artikel unten im P.S.)
Der Amateur-Weg:
„Fasse diesen Artikel zusammen.“
Ergebnis: Eine langweilige Liste von Bulletpoints.
„Bassermann sagt, Budgets sind wichtig und Mid-of-Funnel wird wichtiger als Reichweite …“ Gähn.
Der Profi-Weg (Reverse Prompting):

Schritt 1: Die Qualitäts-Architektur.
Du fragst die KI zuerst nach den Kriterien.
„Ich möchte eine Analyse zu diesem Artikel schreiben, die Vorstände sofort überzeugt.
Andrea Bassermann argumentiert, dass wir weg von reinen ‚Touchpoints‘ hin zu echten ‚Entscheidungsmomenten‘ müssen.
Bevor du schreibst:
Analysiere den Text. Nenne mir 3 Kriterien, woran man laut der Autorin erkennt, ob ein Marketing-Budget verschwendet wird oder echtes Wachstum erzeugt.
Woran erkennt man ‚Lärm‘ im Gegensatz zu ‚Wirkung‘?“
Jetzt passiert etwas Spannendes: Die KI muss den Text tief verstehen und dir die Logik erklären, nicht nur den Inhalt.
Sie wird dir sagen: Budget ist verschwendet, wenn es nur Sichtbarkeit erzeugt, aber keine Unsicherheit beim Kauf reduziert.
Schritt 2: Die Ausführung
Erst jetzt formulierst du den Befehl für den Text:
„Verstanden. Basierend auf genau dieser Logik: Schreib mir ein Memo an die Geschäftsführung. Zeige auf, wo wir in unserer aktuellen Planung nur ‚Lärm‘ produzieren und wo wir ‚Entscheidungen‘ forcieren sollten.“
Der Unterschied ist gigantisch.
Plötzlich bekommst du keinen Text über den Artikel.
Du bekommst eine strategische Ableitung aus der Logik des Artikels.
Warum das funktioniert:
Reverse Prompting zwingt dich dazu, Qualität zu definieren, bevor du sie einforderst. Die KI hilft dir, die Kriterien für Exzellenz zu finden, bevor sie schreibt.
Die kritische Frage liegt nahe:
Gebe ich damit das Denken ab?
Meine Erfahrung ist das Gegenteil!
Seit ich so arbeite, werde ich schneller darin, meine eigenen Unschärfen zu erkennen. Ich akzeptiere weniger Mittelmaß. Und ich formuliere Aufgaben so, dass Exzellenz überhaupt erst möglich wird.
Probier es morgen früh bei deiner ersten Aufgabe direkt aus.
Erst Qualitätsmaßstäbe klären. Dann ausführen lassen.
Dieser Artikel ist zuerst am 19.02.2026 als Newsletter erschienen. Wenige Tage später wird er automatisch als Blogartikel veröffentlicht. Du möchtest alle News immer direkt lesen?
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